„[Ich möchte] von meinen Kindern später nicht gefragt werden: ,Mami, du wusstest, wie sehr Tiere gequält werden; du wusstest, dass die Tierhaltung verheerende Folgen für den Klimawandel hat; du wusstest, dass tierische Ernährung schlecht für unsere Gesundheit ist – warum hast du trotzdem nicht versucht, uns vegan zu ernähren?‘ […]
Die Wahrheit im Detail können wir unseren Kindern nicht zumuten, aber wir können es uns zumuten, uns zu bemühen, ein veganes Vorbild zu sein und dieses Grauen nicht zu ignorieren!“


Jumana Mattukat, Fernsehmoderatorin und Journalistin, in „Mami, ist das vegan?“, 2013

 

 

Wer sich und seine Familie gesund ernähren möchte, seinen Beitrag an Umweltzerstörung, Klimawandel und Welthunger drastisch verringern will, Wert auf ethisch vertretbaren Konsum legt und seine Kinder zu kritisch denkenden und verantwortungsbewusst handelnden Menschen erziehen möchte, der kommt am Vegetarismus nicht vorbei. Die Sache sähe anders aus, wenn es nachvollziehbare und berechtigte Argumente für den Fleischkonsum gäbe. Wäre Fleisch beispielsweise für eine gesunde Ernährung notwendig, müssten die ethisch motivierten Eltern mit dem Vorwurf leben, wissentlich nicht im Sinne ihres Kindes zu handeln. Die Realität ist jedoch eine vollkommen andere – es gibt keine guten Gründe für eine Ernährung mit Fleisch, aber sehr gute Gründe dagegen. Wer die Faktenlage kennt und sie bewusst ignoriert anstatt daraus Schlüsse für das eigene Handeln zu ziehen, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, sich gleichgültig zu verhalten. Und Gleichgültigkeit gegenüber so wichtigen Aspekten wie der Ernährung, Gesundheit und Zukunft der eigenen Kinder sollte für Eltern eigentlich keine Option sein.

Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass immer weniger Menschen den Verzehr von Fleisch als etwas Normales, Natürliches oder Notwendiges ansehen: Seit 1983 hat sich die Zahl der vegetarisch lebenden Menschen in Deutschland mehr als verfünfzehnfacht! Aktuell leben etwa 8 bis 9 Prozent der deutschen Bevölkerung vegetarisch, mindestens 800.000 davon vegan – Tendenz steigend. Immer mehr (werdende) Eltern entscheiden sich dafür, fleischfrei zu leben und zu erziehen, weil sie das Gefühl haben, der mit ihrer Rolle als Ernährer und Erzieher verbundenen Verantwortung nicht gerecht werden zu können, wenn sie einfach ausblenden, was es wirklich bedeutet, Tiere zu essen. Und auch Kinder aus Familien, in denen der Konsum von Fleisch (noch) nicht hinterfragt wird, treffen heute sehr häufig schon in der Kita oder in Spielgruppen auf Gleichaltrige aus vegetarischen oder veganen Familien und wachsen so in dem Bewusstsein auf, dass eine andere Ernährungs- und Lebensweise sehr wohl möglich ist.

Es liegt in unserem ureigensten Interesse als Eltern, Teil der Lösung statt des Problems zu sein. In diesem Sinne sollten wir uns bewusst machen, dass wir durch unser Konsumverhalten die Nachfrage und somit das Angebot bestimmen und tagtäglich zum Ausdruck geben, welche Zukunft wir uns für uns und unsere Kinder wünschen.